Messe Frankfurt: lange Gänge - wenig Orientierung! Foto: Davis Schrapel_pixelio.de

Messe Frankfurt: lange Gänge - wenig Orientierung! Foto: Davis Schrapel_pixelio.de

Ich war heute auf den M:days. Eine wirklich überschaubare Veranstaltung in der Messe Frankfurt:  1 Halle, 2 Garderoben, 1 Zugangskontrolle.

Zugangskontrolle:
“Wo ist denn hier bitte die nächste Behindertentoilette?”
“Oh, das tut mir leid, dass weiß ich nicht. Fragen Sie doch mal an der Garderobe.”
Garderobe1:
Ich gebe meinen Mantel ab und frage: “Wo ist denn hier bitte die nächste Behindertentoilette?”
“Oh, tut mir leid, ich bin hier nicht so oft. Die Damentoilette ist direkt hier nebenan.”
Ich kann Schilder lesen und interpretieren, wenn ich eine Damentoilette bräuchte, dann würde ich nicht nach einer Behindertentoilette fragen.
Dame 2 an Garderobe 1: “Fragen Sie doch bitte mal an der Garderobe nebenan.”
Garderobe 2:
“Wo ist denn hier bitte die nächste Behindertentoilette?”
Dame: “Oh, tut mir leid, in Halle 11 könnte ich Ihnen das sagen. Ich bin hier nicht so oft.”
Dumm nur, dass ich gerade in Halle 1 bin.
Immerhin kam der nette junge Mann an Garderobe 2 auf die Idee, den Hallenmeister zu suchen, der müsste es ja wissen.
Nett, aber das dauert. Nach einer Toilette fragt man ja in der Regel auch nicht so zum Spaß. Das hat Gründe.
Die Hallenmeisterin kam:
“Die Toilette ist ganz links hinten, quer durch die Halle. Haben sie einen Euroschlüssel, sonst gehe ich mit?” (Euroschlüssel passen universal auf alle Behindertentoiletten in öffentlichen Gebäuden und an Raststätten in Europa)
Den habe ich. Also bin ich quer durch die Halle marschiert. Hinten links war das Vortragsforum. Dort hielt gerade einer seinen ersten dynamischen Impulsvortrag über Twitter und Co., auf englisch vor ca. 100 Zuhörern.
Da konnte ich dann coram publico die Behindertentoilette aufschließen, irgendwelche Stellwände zur optischen Abtrennung – das würde ja echt reichen. Fehlanzeige!
Ebenso herrscht Fehlanzeige bei der Ausschilderung. Ich habe bewusst nach Piktogrammen gesucht, aber nichts gefunden.

 

Wir waren in Berlin. Am Wochenende, ganz privat. Ein bischen Luxus wäre schön, also gönnten wir uns was und haben im NH Hotel Berlin Mitte ein “Deluxe”-Zimmer gebucht. Beim Einchecken stellte sich heraus: Dusche Fehlanzeige, frisch renovierte Zimmer gibt es nur mit Wanne.

Behindertengerechte Zimmer? Klar, gab es, unrenoviert, abgewohnt, nur als Einzelzimmer mit einem – immerhin – 1.40m breitem Bett. Anscheinend ist es nicht vorgesehen, dass bei NH Paare übernachten, von denen einer ein Handicap hat.

Für Behinderte, die Betreuung brauchen, ist das Zimmer ebenfalls nix. Wer möchte schon gerne mit seinem Zivi (Bufdi) das Bett teilen?

 

Urlaub in Ägypten – mutig, sagten viele. Quatsch. Was soll einem passieren, wenn man in einen Resort auf einer Halbinsel hockt, die nur über eine Privatstraße mit Checkpoint zu erreichen ist?

Warum ich darüber schreibe? Weil Ägypten eine Premiere war: Zum einen die erste Pauschalreise meines Lebens mit einem großen Reiseveranstalter und gleichzeitig meine erster Flug mit Rollstuhlservice und –mitnahme.

Meinen Luggie aufzugeben war kein Problem, weder hier noch in Ägypten. Er ging kommentarlos als Rollstuhl durch, obwohl man weder in Deutschland noch in Ägypten bislang klappbare Scooter im Schrankkoffer kennt.

Rollstuhlservice am Flughafen Frankfurt: perfekt.

Rollstuhlservice in Hurhgada: Ich würde mal so sagen, ausbaufähig.

In Hurghada parkt man auf dem Vorfeld. Es gibt keine Finger (Fluggastbrücken). Schlecht für mich, da ich in die Busse nicht mehr hinein komme, Der Einstieg ist einfach zu hoch. Also wurde ein Hubwagen ans Flugzeug gefahren. Das ist nichts anderes als eine Art Garage auf Rädern. Damit werden, glaube ich, auch die Snackcontainer transportiert. Die ganze Kabine fährt hoch, eine Brücke klappt aus und ich konnte geradeaus hinein marschieren. Prima. Einen Rollstuhl gab es auch.

Nur, den musste ich verlassen, als wir am Gebäude ankamen. Warum weiß ich bis heute nicht. Da stand ich dann mitten im Chaos. Touristenhorden wurden hin und her gescheucht, Ägypter fuchtelten mit Schildern von Reiseunternehmen und riefen irgendwas in rudimentärem Englisch, Trauben von Menschen vor Bank, Visastelle und den lächerlichen zwei Passkontrollen. Nix Gutes also, wenn man nicht mehr lange stehen kann.

Auf einem Stuhl geparkt vom Angetrauten, der zwischenzeitlich einen Thomas-Cook-Mitarbeiter verhaftete uns zu helfen, konnte ich mir das Chaos in Ruhe zu Gemüte führen. Immerhin: Wir wurden dann an allen Schlangen vorbei, durch die Passkontrolle direkt zur Gepäckausgabe geschleust. Dass wir dann den falschen Koffer mitgenommen haben, ist unsere eigene Blödheit und außerdem eine andere Geschichte.

Der Rückweg ins Flugzeug war – entgegen den Beteuerungen unseres Reiseleiters vor Ort – auch ein wenig kompliziert. Am Flughafen wollten die gleichen Menschenmassen die zwei Wochen vorher rein wollten, das Land wieder verlassen. Immerhin hat Thomas Cook so etwas wie einen Servicepoint  (schmieriger Glaskasten mit kaputten Schreibtischen und versifften Stühlen). Da saß auch jemand, den konnte ich vom Eingang der Abflughalle aus sehen. Nur, da kam man nicht so einfach hin, denn der Weg war eigentlich nur für Crewmitglieder und diejenigen, die „VIP-Eincheck-Service“ von irgendwelchen windigen Typen am Eingang gekauft hatten (20 €).

Egal, mit Gehstock bin ich nicht zu stoppen und der sehr nette Thomas-Cook-Mensch aus dem Glaskasten hat dann einen Rollstuhl besorgt,  uns zum Einchecken und ans Gate gebracht. Er hat auch dafür gesorgt, dass der Hubwagen wieder kam und das Einsteigen  problemlos funktionierte!

Fazit: Ägypter sind echt hilfsbereit und freundlich Leuten mit Behinderung gegenüber. Aber ohne Eigeninitiative funktioniert es nicht.

Übrigens: Das Kempinski in Soma Bay ist barrierefrei. Vom Strand über den Pool bis hoch ins Hauptgebäude ist alles mit Rampen zu erreichen.

 

So eine Messe wie die Rehacare in Düsseldorf ist ein Biotop der Barrierefreiheit: Keine Stufen, keine Absätze, kein aufwendiger Standbau. Alles funktional. Eigentlich gut. Zugang für alle ohne Probleme – aber hey, muss das alles so trostlos sein?

Im Gesundheitsmarkt gibt es keinen Glamour. Messestände, Produktpräsentation und Dienstleistungen kommen irgendwie altbacken daher. Über dem Ganzen schwebt ein Hauch calvinistischer Lustfeindlichkeit.

Wenn schon dauerhafte Behinderung, dann aber bitte auch ohne Spaß.

Ich bin dagegen! Daher hier und in loser Folge immer mal wieder:

Coole Gadgets für Behinderte.

Ich bevorzuge zur Zeit einen Gehstock mit Paisleymuster. Fällt echt auf. Aber Geschmäcker sind ja verschieden, daher hier auch was für die Gothic-Fraktion:

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Gefunden bei: Knotek-Figuren

 

Ein Schild sagt mehr als 1000 Worte. Manchmal auch nicht.

 

Deutschland: in korrekter Langeweile sprachlos

Frankreich mit Esprit:  “Wenn Du meinen Platz nimmst, dann nimm auch meine Behinderung”

USA mit dem Holzhammer: “Wenn’s zu schwer ist zu kapieren, warum Behinderte diesen Platz brauchen, dann schlagen wir vor: Geh und brich Dir Dein verdammtes Rückgrat”

Also, manchmal mag ich sie ja, die burschikose Art der Amis.

 

Job Realität: Jetzt kann ich es ja erzählen – auf einer Pressekonferenz, der Sprecher der Geschäftsführung kommt auf mich zu. Höflich erhebe ich mich, um ihn zu begrüßen.

Das mit dem Erheben dauert ja bei mir ein bisschen …

“Oh, was haben Sie denn gemacht?” Meine Standardantwort: “Ich habe eine Muskelerkrankung.” Darauf der Idiot der distinguierte Herr: “Aber auf den Kopf geht es nicht, oder?”

 

Wilco in der Alten Oper Frankfurt. Dumm nur, wenn Publikum 40+ auf bestuhlte Konzertsäle trifft – Selbst Jeff Tweedy riss die Fans erst spät von den Stühlen.

Trotzdem ein optimales Konzert. Erst zum Schluss war ich umzingelt von Hintern, denn ich bin dann mal sitzen geblieben. Aber egal, hören kann ich ja noch.

 
Reha Klinik Startseite

Im Sommer war ich einen Monat in der Reha-Klinik. Verdammt wichtig, um auf den Beinen zu bleiben. Das heißt aber auch – Leben im Paralleluniversum.

Das Spannende an so einem Reha-Aufenthalt: Man trifft Leute, mit denen hätte man sonst nie gesprochen. “Oh was haben Sie denn da.” “Mein iPad.” “iPad, was ist das denn?”

Vierwöchiges Exil:

Da muss man sich abreagieren:

Hier das Best of der damals entstandenen Facebook-Posts:

Reha-Realität: eine Rollifahrerin zur anderen: “Und jeder Arsch der anruft sagt, ‘dann werd mal schön gesund’!”

Reha-Sport: geschicktes Umrunden von orientierungslosen Alten auf Krücken. Sollte jeder können – demographischer Wandel.

Reha-Realität: adipöse, fröhliche Frauen, die andere “Liebelein” nennen. Irgendwie gruselig …

Reha-Rebellion: Pepperonipizza + 2 Bier statt Raspelmöhren, Knäckebrot + rotem Tee. HA!

Und jetzt habe ich Blut geleckt. Daher – und auf vielfachen Wunsch – in Zukunft hier in diesem Theater: Reha-Posts reloaded!

 

Hach, der erste Abend mit meinem neuen Blog. Ich weiß ja nicht, wer aufgeregter ist, ich oder der Angetraute.

Großes Dankeschön jedenfalls an “Geburtshelfer” Off the record. Jetzt weiß ich zwar immer noch nicht, wie ich den ganzen Kram einrichten kann, aber Hauptsache, es sieht gut aus.

By the way – auf dem Weg in die barrierefreie Gesellschaft:

http://wheelmap.org/

 

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